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FI/LS-Schalter: Fehlerstrom- und Überstromschutz

Ein FI/LS-Schalter kombiniert Fehlerstromschutz und Überstromschutz in einem Gerät. Die internationale Bezeichnung lautet RCBO. Er kann geeignete Differenzströme erfassen und bei Überlast oder Kurzschluss abschalten. Trotzdem muss jede dieser Funktionen zur Anlage passen.

Die Kombination ist besonders interessant, wenn einzelne Stromkreise getrennt gegen Fehlerstrom geschützt werden sollen. Sie ist aber weder eine pauschale Pflicht für jeden vorhandenen Stromkreis noch eine Garantie, dass bei jedem Fehler nur dieser eine Stromkreis ausfällt.

Zwei Schutzaufgaben in einem Gehäuse

Der Fehlerstromteil vergleicht die Ströme in den überwachten aktiven Leitern. Eine passende Differenz kann die Auslösung bewirken. Der Überstromteil reagiert auf Überlast und Kurzschluss entsprechend seiner Kennlinie. Ein gemeinsamer Schaltmechanismus trennt die vorgesehenen Leiter.

Die genauen Erfassungs- und Schaltfunktionen sind produktabhängig. Bei manchen Ausführungen wird beispielsweise ein Neutralleiter mitgeschaltet, ohne selbst einen Überstromauslöser zu besitzen. Aus der Anzahl sichtbarer Hebel oder der Gehäusebreite lässt sich das nicht zuverlässig ablesen.

Der Schutzleiter bleibt außerhalb des Stromvergleichs und wird nicht geschaltet. Auch beim RCBO dürfen Neutralleiter verschiedener nachgeschalteter Stromkreise nicht beliebig zusammengeführt werden. Sonst stimmen die überwachten Stromwege nicht mit der vorgesehenen Zuordnung überein.

FI/LS: zwei Schutzfunktionen kombiniert
Prinzipgrafik zu den erklärten Funktionen; die genaue Ausführung ist produktabhängig.

Welche Angaben müssen gleichzeitig passen?

AufgabeZu prüfende Angaben
FehlerstromschutzRCD-Typ, Bemessungsdifferenzstrom und gegebenenfalls Zeitverhalten.
ÜberlastschutzBemessungsstrom und zulässige Belastbarkeit des Stromkreises.
KurzschlussschutzAuslösecharakteristik, Ausschaltvermögen und Abschaltbedingungen.
EinbauPolzahl, Neutralleiterführung, Einspeisung, Klemmen und Sammelschienen.
BetriebTemperatur, gegenseitige Erwärmung und ausgewiesene Geräteeigenschaften.

Die RCD-Typbezeichnung A oder B darf nicht mit einer LS-Auslösecharakteristik B oder C verwechselt werden. Dieselben Buchstaben können hier zu ganz unterschiedlichen Kennwerten gehören. Erst die vollständige Kennzeichnung macht die Aussage eindeutig.

RCBO oder gemeinsamer FI mit mehreren LS?

Ein gemeinsamer RCCB mit mehreren LS bildet eine andere Aufteilung als ein RCBO je Stromkreis. Bei der Einzelzuordnung kann ein passender Fehler auf einen kleineren Bereich begrenzt werden. Das erleichtert häufig die Zuordnung und reduziert gemeinsame Abschaltungen durch die Summe mehrerer Ableitströme.

Dem stehen Platz, Verdrahtungsaufwand, Kosten und konkrete Produkteigenschaften gegenüber. Schmale Bauformen sparen gegebenenfalls Platz, ändern aber nicht die Anforderungen an Wärmeabfuhr, Leitungsführung und Koordination. Auch eine Umrüstung ist kein bloßes Austauschen eines ähnlich breiten Geräts.

Vorgeschaltete Schutzgeräte können bei einem Fehler ebenfalls ansprechen. Ob Selektivität besteht, wird anhand der tatsächlichen Kombination bewertet. Bei der Planung ist außerdem sinnvoll zu überlegen, welche Folgen der Ausfall eines Stromkreises hat, etwa für Beleuchtung, Kühlgeräte oder Kommunikation.

Anschlüsse und spätere Fehlersuche

Die Montage erfolgt nach dem Schaltbild des exakten Produkts. Vorgaben zu Netz- und Lastseite, Neutralleiteranschluss, Drehmoment und Leiterarten sind nicht bei allen RCBO identisch. Eine vorhandene Neutralleiterschiene darf nicht ungeprüft weiterverwendet werden.

Nach Änderungen sind die erforderlichen Prüfungen für beide Schutzfunktionen durchzuführen. Eine erfolgreiche Prüftastenbetätigung bestätigt nicht den gesamten Überstromschutz. Umgekehrt bestätigt ein plausibler Schleifenwert nicht die vollständige Fehlerstromfunktion. Die passenden Messverfahren werden in Prüfungen und Messungen erklärt.

Bei einer Auslösung kann ein modellabhängiger Anzeigezustand helfen, die Ursache einzugrenzen. Zeigt das Gerät keine eindeutige Unterscheidung, lässt sich aus der Hebelstellung nicht sicher zwischen Fehlerstrom, Überlast und Kurzschluss entscheiden. Dokumentierte Stromkreiszuordnung und Produktunterlagen sind deshalb hilfreich.

Häufige Fragen

Ist ein FI/LS sicherer als jede andere Lösung?

Entscheidend ist das gesamte Schutzkonzept. Die getrennte Zuordnung kann Verfügbarkeit und Fehlersuche verbessern. Eine falsch ausgewählte oder angeschlossene Kombination wird dadurch nicht sicher.

Muss die Prüftaste weiterhin betätigt werden?

Ja, nach den für Gerät und Anwendung geltenden Vorgaben. Der integrierte LS ersetzt die vorgesehene Funktionskontrolle des Fehlerstromteils nicht.

Kann der Neutralleiter mit anderen Stromkreisen gemeinsam bleiben?

Nicht beliebig. Die aktiven Leiter müssen dem überwachten Stromkreis korrekt zugeordnet sein. Das ist bei Umrüstungen ein wichtiger Prüfpunkt für die Elektrofachkraft.

Quellen und Unterlagen

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Weiterführende Informationen