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Leitungsschutzschalter: Überlast und Kurzschluss

Ein Leitungsschutzschalter, kurz LS, schaltet einen Stromkreis bei Überlast oder Kurzschluss ab. Er schützt vor den Auswirkungen unzulässig hoher Ströme in der dafür ausgelegten Leitung. Seine Auswahl richtet sich deshalb nach der Leitung und den Abschaltbedingungen, nicht nur nach der gewünschten Geräteleistung.

Ein LS ist kein FI-Schalter. Fehlerstromschutz und Überstromschutz sind unterschiedliche Aufgaben; in einem FI/LS-Schalter können sie kombiniert sein.

Überlast und Kurzschluss: zwei verschiedene Fälle

Bei einer Überlast fließt für die Auslegung zu viel Betriebsstrom, beispielsweise wenn mehrere Verbraucher gemeinsam eine Leitung zu stark belasten. Die Erwärmung nimmt zu. Ein übliches thermisch-magnetisches Gerät verwendet dafür einen thermischen Auslöser, dessen Reaktion auch von der Dauer des Überstroms abhängt.

Ein Kurzschluss entsteht bei einer niederimpedanten unerwünschten Verbindung zwischen unterschiedlichen Potenzialen. Der Strom kann dabei sehr stark ansteigen. Der magnetische Schnellauslöser reagiert auf entsprechend hohe Ströme. Die tatsächliche Abschaltung hängt vom Fehlerstrom, der Kennlinie und dem Schaltvermögen ab.

Nicht jede gefährliche Erwärmung führt zum Auslösen. Ein schlechter Kontakt kann an einer einzelnen Klemmstelle heiß werden, während der Gesamtstrom unter dem Bemessungsstrom des LS bleibt. Deshalb sind saubere, geeignete Leiteranschlüsse ebenso wichtig wie das Schutzgerät.

LS: zwei Auslöseaufgaben
Prinzipgrafik zu den erklärten Funktionen; die genaue Ausführung ist produktabhängig.

Kennzeichnung und Auswahl

KennwertWarum er wichtig ist
BemessungsstromMuss zur zulässigen Belastbarkeit der geschützten Leitung passen.
AuslösecharakteristikBestimmt das Zeit-Strom-Verhalten einschließlich der magnetischen Auslösung.
AusschaltvermögenMuss den am Einbauort möglichen Kurzschlussbedingungen entsprechen.
Polzahl und SchaltfunktionMüssen zu Versorgung und geforderter Trennung passen.
Spannung, Frequenz, TemperaturGehören zu den zulässigen Betriebsbedingungen.

Die bekannten Buchstaben B und C kennzeichnen unterschiedliche Auslösecharakteristiken. Ein C-Gerät ist nicht grundsätzlich „stärker“ oder besser. Es kann für geeignete Lasten mit höheren Einschaltströmen sinnvoll sein, verlangt aber zugleich den Nachweis der dazu passenden Abschaltbedingungen.

Leitungslänge, Querschnitt, Verlegeart, Umgebungstemperatur und Häufung beeinflussen die Auslegung. Aus „Steckdosenstromkreis“ folgt deshalb keine universelle Kombination aus einem bestimmten Querschnitt und einer bestimmten Sicherungsgröße. Auch die Herstellerangaben zu Sammelschienen, Einspeisung und Vorsicherung sind zu beachten.

Zusammenspiel mit RCD und Verbrauchern

Ein RCD erfasst geeignete Differenzströme. Ein LS erfasst Überstrom. Beide können für denselben Stromkreis erforderlich sein, ohne sich zu ersetzen. Ein FI/LS-Schalter vereint diese Aufgaben in einem abgestimmten Produkt.

Elektronische Geräte können beim Einschalten kurzzeitig deutlich mehr Strom aufnehmen als im laufenden Betrieb. Vor einer Änderung des LS werden Lastdaten, Stromkreis und Abschaltbedingungen geprüft. Ein höherer Bemessungsstrom als Mittel gegen gelegentliches Auslösen kann die Leitung unzureichend schützen.

Auch die Selektivität zu vorgeschalteten Schutzeinrichtungen ergibt sich nicht allein aus unterschiedlichen Amperezahlen. Maßgeblich sind Kennlinien und die dokumentierte Koordination der Geräte. Ein pauschales Versprechen, dass stets nur der kleinste LS auslöst, wäre falsch.

Was bei einer Auslösung sinnvoll ist

Ein ausgelöster LS weist auf einen zu klärenden Zustand hin. Wenn gefahrlos möglich, können angeschlossene steckbare Verbraucher außer Betrieb genommen werden. Beschädigte, feuchte oder auffällig riechende Geräte nicht weiter verwenden. Verteilungen werden dafür nicht von Laien geöffnet.

Löst das Gerät nach einem zulässigen Wiedereinschaltversuch erneut aus, ist eine fachkundige Untersuchung nötig. Der Hebel darf nicht festgehalten oder überbrückt werden. Auch häufiges Einschalten in einen bestehenden Fehler hinein belastet die Anlage.

Zur Bewertung gehören Besichtigen und geeignete elektrische Prüfungen. Die Schleifenimpedanzmessung kann je nach Anlage zur Beurteilung von Abschaltbedingungen beitragen. Eine Funktionsprobe eines Verbrauchers ersetzt diesen Nachweis nicht.

Häufige Fragen

Warum löst der LS nicht sofort bei etwas höherem Strom aus?

Überlastschutz arbeitet mit einem Zeit-Strom-Verhalten. Bemessungsstrom und tatsächlicher Auslösepunkt sind nicht gleichzusetzen. Für eine konkrete Bewertung benötigt man die Gerätekennlinie und die Betriebsbedingungen.

Kann ich einen B-Schalter gegen C austauschen?

Das ist eine Änderung der Schutzkoordination. Sie ist nur nach fachkundiger Prüfung der Leitung, Last und Abschaltbedingungen zulässig, nicht als allgemeiner Trick gegen Einschaltprobleme.

Macht Ausschalten am LS die Arbeit automatisch sicher?

Nein. Zuordnung, weitere Einspeisungen, Sicherung gegen Wiedereinschalten und das Feststellen der Spannungsfreiheit bleiben Teil der Sicherheitsregeln.

Quellen und Unterlagen

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Weiterführende Informationen

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